Hortus Romanus

Im Garten des Museums ist in den letzten Jahren ein spannender Überblick zu Nutzpflanzen im römischen Deutschland entstanden. Von heute noch bekannten Küchenkräutern wie Salbei und Koriander bis hin zu inzwischen selten gewordenen Feldbewohnern wie der Kornrade oder dem Einkorn reicht die Palette der angepflanzten Gewächse. Hier entdecken Sie die Geschichte der Antike aus einem neuen Blickwinkel, der duftet und schmeckt!

Angepflanzt werden verschiedene Hülsenfrüchte, Gemüse, Ölpflanzen, diverse Kräuter und Getreide, wie etwa Dinkel, Emmer und Kolbenhirse, deren Anbau im süddeutschen Raum nachgewiesen ist. Zusätzlich wurden auch einheimische Sträucher und in der Römerzeit kultivierte arbores fructiferae gepflanzt, beispielsweise Esskastanie, Walnuss, Pfirsich und Wildpflaumen. Mediterranen Flair verbreiten im Sommer zusätzliche Kübelpflanzen (Ölbaum, Granatapfel, Mastix, Erdbeerbaum, Lorbeer und Oleander). Die Auswahl der angebauten Pflanzen variiert nach Saison und Jahreszeit.

Der römische Nutzgarten fungiert auch als Lernort und erweitert das museumspädagogische Vermittlungsprogramm des Hauses. Hier wird der Wandel in der Gartenkultur sichtbar, der mit der Ankunft der Römer in Mitteleuropa einsetzte.

Tipp: Während der Saison werden auch Führungen durch den Garten angeboten!

Der Römergarten ist während der Museumsöffnungszeiten frei zugänglich, das große Beet im nahegelegenen mittelalterlichen Zwinger auch außerhalb der Öffnungszeiten.

 

Archäobotanische Funde im Kastell Boiotro

Bei den Grabungen ab 1974 im Bereich des Kastells Boiotro – heutiges Freigelände des Römermuseums – wurden an mehreren Stellen Samenkörner von Getreide und anderen Nutzpflanzen geborgen und anschließend wissenschaftlich untersucht. Die Samen haben sich nur erhalten, weil sie verkohlt waren, also kurz im Feuer lagen oder mit Feuer in Berührung kamen; ansonsten wären sie wie alles organische Material im Laufe der Jahrhunderte längst vergangen.

Die Funde geben einen Einblick in das Spektrum der Nutzpflanzen im Raum Passau in der späten Römerzeit (4./5. Jahrhundert n. Chr.).

Es fanden sich Samen folgender Arten:

  • Nacktweizen
  • Roggen
  • Emmer
  • Dinkel
  • Gerste
  • Linse
  • Rispenhirse
  • Kolbenhirse

An Unkrautsamen sind vertreten:

  • Wegerich
  • Sauerampfer
  • Winden-Knöterich
  • Melde
  • Natternkopf

Eine Besonderheit ist die Kornrade (Agrostemma githago), ein typisches „Unkraut“ im Wintergetreide. Aufgrund der Giftigkeit ihrer Samen wurde sie im 20. Jahrhundert stark bekämpft und ist heute fast ausgestorben.