Das Kastell Boiotro

Kurz vor dem Zusammenfluss von Donau und Inn liegt am rechten Innufer, nahe der Mündung des Beiderwiesbachs, das spätrömische Kastell Boiotro.

Entdeckt wurden die Spuren des Kastells zufällig während Bauarbeiten für einen geplanten Kindergarten im Herbst 1974 auf dem Grundstück Lederergasse 43. In den Folgejahren wurde das Gelände systematisch durch Ausgrabungen untersucht.

Das Kastell besitzt die für römische Militäranlagen außergewöhnliche Form eines leicht unregelmäßigen Trapezes, mit der Langseite parallel zum Inn.

Umgeben war Boiotro von einem ca. 8 Meter breiten muldenförmigen Wehrgraben. Das einzige Tor lag etwa mittig an der Flussseite des Kastells. Seine Innenfläche betrug nur etwa 1.500 qm.

Typisch für die Spätantike ist die Bauweise der Umwehrung, die im deutlichen Gegensatz zu mittelkaiserzeitlichen Kastellen steht.

Ganz im Geist der Zeit war das Kastell von mächtigen Mauern umgeben (Dicke an der Südseite 3,80 Meter, sonst 2,50 bis 2,80 Meter) und besaß an den Ecken vorspringende Türme mit fächerförmigem Grundriss.

Die wohl als zweigeschossig zu rekonstruierenden Diensträume und Mannschaftsunterkünfte orientierten sich um einen offenen Hof und waren an die Innenseite der Kastellmauern angelehnt. Gestützt wurden sie von mächtigen Pfeilern aus Tuff und Ziegeln. Einige dieser Pfeiler sind heute an ihrem Originalstandort im Museumsgarten wieder aufgemauert sichtbar.

Nach Ausweis des Fundmaterials und historischer Erwägungen ist das Kastell wohl um 300 n. Chr. in einer Phase der Konsolidierung der Flussgrenzen errichtet worden. Es dürfte mindestens bis in das späte 4. Jahrhundert von einem kleinen Truppenkontingent besetzt gewesen sein. Im Verlauf des 5. Jahrhunderts kam es zu einer Umnutzung; in die Südostecke des Kastells wurde ein Speicherbau integriert.